Sandmännchen der DDR: Ein Klassiker des Kinderfernsehens

0

Sandmännchen der DDR: Diese Fernsehserie hat die Kinder vieler Generationen in der DDR geprägt. Außerdem handelt es sich dabei um eines der wenigen Ost-Programme, die auch nach der Wende fortgesetzt wurden.

Sandmännchen der DDR: Ein herausragender Erfolg des Ost-Fernsehens

Das Sandmännchen ist wohl bei den meisten Menschen in Deutschland tief in der Kindheitserinnerung verankert. Jeden Abend erschien es im Fernsehen und erzählte den Kindern eine spannende Geschichte. Danach wünschte er ihnen eine gute Nacht und es war Zeit, ins Bett zu gehen.

Die eine oder andere Geschichte ist dabei bis heute in Erinnerung geblieben. Das Sandmännchen ist seit 1959 ein treuer Freund der deutschen Kinder – sowohl im Osten als auch im Westen. Dennoch gibt es dabei zwei verschiedene Versionen. Der Deutsche Fernsehfunk hat das Sandmännchen der DDR produziert, während die ARD – und hier in erster Linie der Sender Freies Berlin – für das West-Sandmännchen verantwortlich war.

Das Sandmännchen ist daher nicht nur eine beliebte Kindersendung, es spiegelt auch die deutsche Geschichte wider. Es symbolisiert die deutsche Teilung und die spätere Wiedervereinigung. Eine Besonderheit stellt es dabei dar, dass sich hierbei das Sandmännchen der DDR durchsetzen konnte, während die West-Version eingestellt wurde.

Dieser Artikel stellt vor, weshalb es in den beiden deutschen Staaten zwei so ähnliche Kindersendungen gab, welche Bedeutung das Sandmännchen der DDR für die Gesellschaft hatte und wie es dazu kam, dass sich die Ost-Version hierbei durchsetzen konnte.

Video: Unser Sandmännchen 1962 (UT)

Die Geschichte der Fernsehserie

Als Vorbild für das Sandmännchen der DDR gilt eine historische Sagengestalt: der Sandmann. Bereits seit Jahrhunderten gibt es die Legende, dass abends der Sandmann die Kinder besucht, um ihnen Sand in die Augen zu streuen. Die Charaktereigenschaften, die dieser Figur zugeschrieben werden, können jedoch ganz unterschiedlich sein.

In der heute bekannten Version ist der Sandmann ein sympathischer Kerl, der den Kindern angenehme Träume bringt. Hinzu kommt ein erzieherisches Element: Nur Kinder, die brav waren, bekommen schöne Träume von ihm geschenkt.

Darüber hinaus gibt es Geschichten, bei denen der Sandmann böse ist und manchmal sogar als Monster dargestellt wird. Dabei verletzt der Sand die Augen. In manchen Geschichten reißt er die Augen sogar aus dem Kopf. Auf diese Weise soll er Kinder bestrafen, die nicht einschlafen möchten.

Diese Sage wurde auch mehrfach in der Literatur aufgegriffen. Das bekannteste Beispiel hierfür ist die Erzählung „Der Sandmann“ von E.T.A Hoffmann. Diese wird häufig als Vorbild für das Sandmännchen genannte. Allerdings gibt es hierbei einen wichtigen Unterschied zu beachten.

Während sich Hoffmann bei seiner Erzählung auf die negative Interpretation des Sandmanns stützt, verwendet die Fernsehserie die positive Version. Die Erzählung kann daher nicht als inhaltliches Vorbild gelten. Überschneidungen gibt es in erster Linie hinsichtlich der Darstellung des Sandmännchens als kleinen Mann mit weißem Bart.

Die Geschichte des Sandmännchens beginnt kurz nach dem Zweiten Weltkrieg – damals allerdings noch im Hörfunk. Zu diesem Zeitpunkt strahlte der Berliner Rundfunk – eine Sendeanstalt der Sowjetzone – erstmals das Abendlied aus. Diese Sendung griff die Figur des Sandmanns auf und erstellte auf dieser Grundlage spannende Geschichten zum Einschlafen für die Kinder. Die Moderatorin der Sendung war Ilse Obrig.

Video: DDR Sandmännchen – Plumps will nicht mehr laufen

Obrig wechselte 1950 zu einem westdeutschen Sender. Die Idee des Sandmännchens lebte jedoch bei den DDR-Sendern fort. Der DDR-Hörfunk strahlte ab 1956 eine Sendung mit diesem Inhalt aus. 1958 ging im Deutschen Fernsehfunk in der DDR erstmals der Abendgruß auf Sendung, der als Vorläufer des Sandmännchens gilt. Parallel dazu arbeitete jedoch auch Obrig im Westen an dieser Idee weiter.

Die Idee, eine Fernsehserie mit diesem Inhalt zu gestalten, entstand 1958. Der Sender Freies Berlin, bei dem sie angestellt war, gab grünes Licht, sodass die Entwicklung begann. Die Verantwortlichen beim Deutschen Fernsehfunk erfuhren jedoch von dieser Entwicklung und fürchteten, ihre Zuschauer zu verlieren.

Daher haben sie in Rekordzeit eine eigene Sendung produziert. Das Ergebnis war das Sandmännchen der DDR: Diese Sendung wurde erstmals am 22. November 1959 ausgestrahlt – neun Tage vor der Erstausstrahlung des West-Sandmännchens.

Das Sandmännchen der DDR konnte von Anfang an eine wichtige Rolle für das Kinderfernsehen einnehmen. Die Puppe, die hierbei zum Einsatz kam, wirkte sympathisch und entfachte Begeisterung bei den Kindern. Das soll ein Beispiel verdeutlichen: In den ersten Folgen war aufgrund der geringen Produktionszeit das Bühnenbild noch unvollständig. Das führte dazu, dass das Sandmännchen am Ende stets auf der Straße einschlief.

Viele Kinder schrieben dem Sender und boten ihr eigenes Bett als Schlafstätte an. Das Debüt der West-Version verlief hingegen etwas weniger erfolgreich. Die Puppe, die hierbei zum Einsatz kam, hatte eine weniger sympathische Erscheinung. Manche Beobachter beschrieben sie als dämonenhaft und viele Kinder hatten Angst vor ihr. So kam es zu mehrfachen Umgestaltungen, bis das West-Sandmännchen seine endgültige Form erhielt.

Sandmännchen der DDR: Diese Fernsehserie hat die Kinder vieler Generationen in der DDR geprägt.  ( Foto: Shutterstock- Silvia Friedrich)

Sandmännchen der DDR: Diese Fernsehserie hat die Kinder vieler Generationen in der DDR geprägt. ( Foto: Shutterstock- Silvia Friedrich)

Der Abendgruß: Kurzfilme innerhalb des Rahmenprogramms

Die Figur des Sandmännchens ist bei dieser Fernsehserie für das Rahmenprogramm verantwortlich. Im Mittelteil wird der Abendgruß ausgesendet. Dabei handelt es sich um Kurzfilme, die Kinderlieder aufgreifen oder kurze Geschichten erzählen. Die Figuren, die darin auftraten, wurden ebenfalls sehr beliebt – beispielsweise Schnatterinchen oder Herr Fuchs.

Bereits 1959 trat die Ente Schnatterinchen im Abendgruß auf. 1962 gesellte sich der Kobold Pittiplatsch hinzu. Unter dem Titel Pittiplatsch und Schnatterinchen prägten sie die Samstags-Sendung des Sandmännchens der DDR .

Schnatterinchen verkörpert durchweg gute Eigenschaften: Sie ist stets höflich und hilfsbereit. Der einzige Makel ist, dass sie manchmal etwas besserwisserisch ist. Pittiplatsch hat hingegen eine kindliche und verschmitzte Art. Seine Vorhaben misslingen meistens, was zur Folge hat, dass er zum Ende der meisten Kurzfilme verspricht, fortan „ganz lieb“ zu sein.

Die zweite der genannten Figuren stammt aus der Reihe Herr Fuchs und Frau Elster, die über Jahrzehnte hinweg jeden Sonntag ausgestrahlt wurde. Die beiden Hauptfiguren hatten einen hinterlistigen Charakter und wirkten beinahe anarchisch.

Das kam bei den Kindern sehr gut an und führte zu einer großen Beliebtheit.Fuchs und Elster zankten sich fortwährend, doch waren sie auch gute Freunde, die sich immer wieder aufs Neue versöhnten. Viele Redewendungen aus diesen beiden Serien gelangten in der DDR auch in den alltäglichen Sprachgebrauch.

Video: Sandmann kommt mit Auto – Folge mit Pittiplatsch, Schnatterinchen und Moppi

Das Sandmännchen nach der Wende

Nach der Wende wurden zunächst sowohl das West- als auch das Ost-Sandmännchen parallel fortgeführt. Als 1991 die Auflösung des DDR-Fernsehens beschlossen wurde, stand jedoch eine Entscheidung über die Zukunft der beiden Serien an. Das West-Sandmännchen erschien nicht mehr ganz zeitgemäß, sodass es nur wenige Fürsprecher hatte.

Ganz anders hingegen die Situation beim Sandmännchen der DDR: Hier schrieben die Zuschauer hunderte Briefe an die Verantwortlichen der ARD und forderten eine Fortführung der Reihe. Diese Aktionen sollten Erfolg haben.

Die ARD beschloss, das Ost-Sandmännchen weiterzuführen, während die West-Version nicht mehr produziert wurde. Bis heute schalten täglich rund 1,5 Millionen Zuschauer den Fernseher für das Sandmännchen ein, sodass es eine tragende Rolle für das Kinderfernsehen einnimmt.

Sandmännchen der DDR: Ein Propagandainstrument des Regimes?

Diese Sendung gilt als eines der wenigen Kulturgüter Ostdeutschlands, die sich nach der Wende in der gesamten Bundesrepublik etablieren konnten. Doch gibt es auch Kritik am Sandmännchen der DDR: Die Rolle als Propagandainstrument der DDR. Das Sandmännchen besuchte beispielsweise die Truppen der NVA oder ein Ferienlager der Jungen Pioniere.

Hinzu kommen Besuche in Kuba, in Vietnam und in vielen weiteren verbündeten Staaten. Dabei stellte es die Verhältnisse in den entsprechenden Ländern oder Institutionen stets sehr positiv dar. Über den Fernseher nahmen die Kinder daher bereits sehr früh die Ideologie der DDR auf.

Video: Unser Sandmännchen Titelmusik (DDR)

Die Titelmusik: Eingängige Melodie für die Kindersendung

Die Titelmusik des Sandmännchens ist wohl allen Menschen, die in der DDR aufgewachsen sind, bekannt. Der Text dafür stammt von Walter Krumbach. Die Melodie schrieb Wolfgang Richter. Auch hierbei handelte es sich um eine sehr überhastete Aktion. Der Legende nach diktierte Krumbach Richter den Text am Telefon. Dieser erstellte daraufhin noch in der gleichen Nacht die Melodie für die Titelmusik.

Das Ergebnis war ein Werk, das weniger an Kinderlieder erinnerte, sondern recht kompliziert war. Selbst die Experten im DDR-Rundfunk betrachteten es nur als Notlösung und strebten eine neue Version an. Dennoch konnte sich die Titelmusik halten und wurde selbst nach der Wende – wenn auch in verkürzter Form – noch verwendet.

Video: Sandmännchen DFF 1990

Sandmännchen der DDR: Ein Muss für alle Kinder

Das Sandmännchen hat das Kinderfernsehen der DDR über Jahrzehnte hinweg geprägt und spielt auch heute noch eine wichtige Rolle. Millionen Kinder schalten jeden Tag den Fernseher ein, um diese Sendung zu verfolgen. Das Sandmännchen gestaltet dabei ein ansprechendes Rahmenprogramm und präsentiert Kinderlieder und ansprechende Kurzfilme.

Das Format konnte sich nicht nur über Jahrzehnte hinweg halten. Es überlebte auch politische Umstürze und ideologische Neuausrichtungen. Dennoch hat es seinen Unterhaltungswert nicht eingebüßt, sodass auch heute noch die Kinder mit den Geschichten des sympathischen Kerlchens aufwachsen.

Share.

Über Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

Leave A Reply